Volker Radke

…bis man ihr das anmerkt

Glaube als Beziehungskiste

leave a comment »

In einem ansonsten angenehmen Urlaubsgespräch mit einem anglikanischen Priester lernte ich, wie beklemmend modernisierte Varianten christlichen Denkens sein können, auch wenn sie auf den ersten Blick aufgeklärter und weniger hasserfüllt wirken als man es aus früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten kennt.. Im Gedächtnis blieb mir v.a. Folgendes:

  • Die Hölle gibt es nach wie vor;
  • Sie ist der Ort für jene, die “die Nähe zu Gott nicht ertragen können”;
  • Eine enge Beziehung zu Gott ist das eigentlich Entscheidende für alle Menschen.

Aus meiner Sicht folgt daraus:

  • Wer nicht an Gott glaubt, landet in der Hölle, egal ob er ansonsten ein “guter Mensch gewesen ist” oder nicht;
  • Wie alle Beziehungskisten ist auch die mit Gott vielerleit Unsicherheiten unterworfen: Ist meine Liebe zu Gott ausreichend? Liebe und ehre ich ihn auf die richtige Art? Wie soll ich mit Gewissheit erfahren, ob “alles ok” ist?
  • Im Gegensatz zu Religionen, die den Menschen eine Fülle von alltagsweltlichen Regeln auferlegen, deren strikte Befolgung einem wenigstens ein heimeliges Gefühl der Sicherheit verschafft, ist die imaginierte Beziehung zu Gott als wichtigster Garant für meine spätere Himmelsfahrt für meine Begriffe nicht weniger angsterzeugend als das, was wir von früher kennen.
  • Auch dieser Gott ist ein strafender Gott, und zwar einer der Gattung verchmähter Liebhaber, der einem, der zu Lebzeiten keine Beziehung zu ihm wünscht, nicht mehr verzeiht.

In einem fairen Universum wäre die Hölle der Ort für all jene, die ihren Mitmenschen aus metaphyischen Gründen ein Leben in Angst bereiten.

Written by Volker Radke

06/11/2013 at 2:43 nachmittags

Veröffentlicht in Politik

Stadtteilgruppe

leave a comment »

Bild

Die Plakate dieser Gruppe machen das Wiesbadener Westend durchaus ein wenig lebenswerter; dass deren gegenwärtige und ehemalige Mitglieder sich ihre eigenen Existenzen dabei wechselseitig ruinieren, ist nur Dreingabe.

Written by Volker Radke

06/09/2013 at 9:30 nachmittags

Veröffentlicht in Foto, Politik, Wiesbaden

Getaggt mit ,

Verbotszone

leave a comment »

alk

Written by Volker Radke

12/06/2013 at 8:41 nachmittags

Veröffentlicht in Foto

Meditation, ein endloser Spaziergang um den Block

leave a comment »

Über Meditation wird haupsächlich Gutes geschrieben, egal ob sie christlich, hinduistisch oder buddhistisch geprägt ist. Ihre Nützlichkeit wird kaum bezweifelt, die Meditationspraxen zugrundeliegenden philosophischen Ideen werden kaum kritisiert. Mir ist keine kritische Sozialgeschichte der Meditation bekannt.

Wird soziales Elend oder Autoritarismus in religiös geprägten Ländern wie Indien oder Tibet kritisiert, kommt kaum jemand auf die Idee, die mit häufig widerlichen religiösen Ideen verknüpften Meditationspraxen – wie Buddhas Empfehlung an seine zölibatären Studenten, über Frauen als Sack voller Fäkalien zu meditieren – zahlloser leidender Menschen könnten eher einen Beitrag zum Fortbestand als zur Überwindung dieses Elends leisten. Tibetischen Eltern ihr Kind wegzunehmen und es dazu zu zwingen, viele Stunden am Tag über ein einziges Wort zu meditieren, wird wohl wirklich von vielen Menschen als Befreiung von weltlichen Zwängen betrachtet. Wenigstens ist es eine von der Armut der Eltern. Wer das christliche Klosterleben im Mittelalter romantisiert, möge an die Leibeigenen denken, die für die meditierenden Mönche schuften durften.

Im Zen-Buddhismus ist es eine beliebte Praxis, über paradoxe Aussagen (eine Hand, die klatscht etc.), die nicht auflösbar sind, zu meditieren. Es ist keine Auflösung erreichbar außer der, irgendwann zu realisieren, dass es keine Auflösung gibt. Und – wenn es gut läuft -  der Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, Gehirnschmalz an Dinge zu verschwenden, die völlig offenkundig zu nichts führen. Wer über Sinnfreies allzu lange nachdenkt, mag irgendwann auf die Idee kommen, dass die Befreiung vom Sinn Sinn macht, und dass das Nirvana ein gutes Ziel einer imaginären Reise abgibt. Man kann aber auch einfach gleich den Seitenausgang nehmen und sich Dingen widmen, die das eigene Leben oder gar das anderer Menschen verbessern. Die Idee der Illusionarität von Allem ist eine arg durchschaubare Illusion.

Yogis und Meditationsmeister sehen oft, wenn auch nicht immer, noch im fortgeschrittenen Alter recht gesund aus, was erst einmal beeindruckt. Wer einen Moment über die Gründe nachdenkt, wird schnell auf den Gedanken kommen, dass diese Menschen sich in der Regel von anderen dafür bezahlen lassen, viel Zeit für körperliches Training zu haben, von schwerer Arbeit befreit zu sein, viel frische Luft zu genießen etc.pp. Das erhöht die Warscheinlichkeit ungemein, mit 60 nicht so auszusehen, als habe man sein erwachsenes Leben im Büro oder am Schmelzofen verbracht. Auch spielt von vornherein ein Selektionseffekt eine Rolle: Wer als Yogi in spe nicht nicht den Anforderungen nahekommt, die potentielle Anänger an Körperbau, Hautbeschaffenheit, Bartwuchs etc. stellen, wird deutlich schlechtere Chancen haben, es im hartumkämpften spirituellen Gesundheitsbusiness zu etwas zu bringen.

Die Frage, ob Yoga, Meditation und anderes bei allem Brimborium gesundheitlich von Nutzen sein könnte: Hatha-Yoga ist nichts wesentlich anderes als eine Mischung aus Gymnastik, Atemtechnik und Entspannung sowie Ernährungsempfehlungen. Ein Nutzen kann daraus entstehen, dass vielleicht auch Menschen, denen die bewusste Förderung der eigenen Gesundheit zu banal erscheint, ihre Muskeln dehnen und sich ab und zu entspannen. Gleichzeitig fragt man sich jedoch, inwieweit Verluste an kognitiver Klarheit das Leben dieser Menschen wiederum negativ beeinflussen.

Ein großes Problem der Meditationsforschung liegt darin, dass ein beträchtlicher Teil der Forscher unbedingt herausfinden möchte, dass Meditation eine gute Sache ist, was der Qualität der Studien nicht eben zuträglich ist. Ein Großteil der bekannten Meditationstechniken scheint gesundheitlich keine besseren Ergebnisse hervorzubringen als ein Nickerchen, auch wenn von den Apologeten in Presse und Öffentlichkeit gerne etwas anderes behauptet wird. Wäre Meditation so fantastisch effektiv, müsste das relativ einfach nachweisbar sein.

———————————

Etwas für die eigene Gesundheit zu tun ist gut. Ideal ist es, wenn man dabei nicht blöder wird und einen klaren, kritischen Kopf behält.Was kann man also tun? In keiner besonderen Reihenfolge und ohne den Anspruch, dass ich selbst auch nur irgend eine Kompetenz habe, meinen eigenen Ratschlägen zu folgen:

  • Gehe vor die Tür.
  • Dehne deine Muskulatur.
  • Frage dich, welche Bewegungen du nie oder selten durchführst, und beschäftige dich mit ihnen.
  • Bewege dich auf eine Art, die dir Spaß macht, und die deine Gelenke nicht zu sehr belastet.
  • Benutze deine höheren Gehirnfunktionen für viele verschiedene Dinge. Monotones Lösen von Sudokus bringt mit der Zeit immer weniger Nutzen, besser wäre eine progressive Beschäftigung mit mathematischen Themen, die einem schwerfallen.
  • Beschäftige dich mit Dingen, die dir in der Schule schwer gefallen sind. Dort winken die größten Verbesserungen.
  • Beschäftige dich mit Techniken systematischen Denkens.
  • Versuche, dich situativ in das Denken anderer Menschen hineinzuversetzen. Viele sind darin ohnehin gut, für die, die es nicht sind, winkt ein beträchtlicher Gewinn.
  • Mache Pausen, in denen du möglichst wenig tust, damit dein Gehirn, dessen Fähigkeiten begrenzter sind, als viele denken, Zeit zur Integration von Gelerntem hat und dein Körper sich entspannen kann.
  • Helfe anderen Menschen. Es klingt eigennützig, aber man ist oft derjenige, der davon am meisten profitiert. Wenn man jedoch zu sehr darüber nachdenkt, wie man sich damit gerade selbst etwas Gutes tut, sinkt der Ertrag wieder.
  • Finde einen für dich funktionierenden Mix aus Gewohnheiten, die dein Leben leichter machen, und neuen Erfahrungen, die deine Möglichkeiten erweitern.
  • Setze dir erreichbare Ziele, die dir immer wieder Erfolgserlebnisse verschaffen.

All diese Vorschläge haben einen für viele Menschen entscheidenden Haken: Man wird dadurch nicht zu etwas Besonderem, man kommt “Gott” nicht näher, man ist nicht auf einem “erhabenen” Weg, und wenn er auch ins Nichts führte.

Ich hätte diesen Text nicht geschrieben, hätte ich nicht selbst Jahre meines Lebens mit spirituellen Dingen vertrödelt, zum Glück ohne je elementare Zweifel überwinden zu können. Diese Zweifel wertschätzen zu lernen hat lange gedauert, auch und gerade weil sie mich nicht zu einem besseren Menschen gemacht haben.

Written by Volker Radke

05/03/2013 at 1:14 nachmittags

Veröffentlicht in Politik

Getaggt mit ,

Spirituell, aber nicht religiös

leave a comment »

Hoppla: laut dieser größeren englischen Studie sind spirituelle Menschen ohne formale religiöse Bindung anfälliger für eine Vielzahl seelischer Erkrankungen als Religiöse und Atheisten.

Bei Religiösen mag ich es nicht beurteilen, aber in einer persönlichen Einzelfallstudie ist mir aufgefallen, dass der eine oder andere Atheist herzlose Häme als halbwegs effektives Mittel zum Stessabbau einsetzt.

Written by Volker Radke

24/11/2012 at 11:12 vormittags

Veröffentlicht in Psychologie

Getaggt mit

Sollte ich jemanden verletzt haben…

leave a comment »

Deniz Yücel hat geschrieben:

“So etwa die oberkruden Ansichten des leider erfolgreichen Buchautors Thilo S. [gemeint ist Sarrazin, VR], den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.”

Und, so schreibt er in einer “Klarstellung”, damit gemeint:

Ich wollte zeigen, dass jeder – ob gebildet, bildungsschwach oder ungebildet, ob nach Verständnis des S. intelligent oder weniger intelligent, ob mit “besonders qualifikatorischem Potenzial ausgestattet” oder nicht – Respekt beanspruchen kann, das Recht hat, Kinder zu bekommen, das Recht hat zuzuwandern etc.

Passend zur kreativen Auslegung des eigenen Geschriebenen folgt ein Klassiker der Scheinheiligkeit zum Abschluss:

Soweit ich also missverstanden worden bin, entschuldige ich mich ausdrücklich.

—————————————————————
[Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass die Kommentare zum Artikel auf der Taz-Seite bereits alles enthielten, was ich hier geschrieben habe - es war einfach zu offensichtlich.]

Written by Volker Radke

19/11/2012 at 9:22 vormittags

Veröffentlicht in Politik

Journalistische Omnipotenzfantasie

leave a comment »

Michael Miersch in einem nachdenklichen Moment:

Je länger ich im deutschen Journalismus zugange bin, desto stümperhafter kommt mir meine Branche vor.

Auch wenn ich schon den einen oder anderen Zweifel an Mierschs journalistischem Output artikuliert habe, denke ich doch, dass er seinen Einfluss hier überschätzt.

Written by Volker Radke

05/09/2012 at 10:37 nachmittags

Veröffentlicht in Politik

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: