Volker Radke

…bis man ihr das anmerkt

The biggest If

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Paul Krugman, NYT:

If we ever get past the special interests and ideology that have blocked action to save the planet, we’ll find that it’s cheaper and easier than almost anyone imagines.

Der “free-market Keynesian” (englisch für “allen wohl und niemandem weh”) Krugman überschätzt aufgrund der Existenz staatlicher und übernationaler Steuerungsversuche regelmäßig deren Möglichkeiten. Versuche der Regulierung scheitern in der Realiät regelmäßig und voraussagbar an der anarchischen Gewalt kapitalistischer und nationalstaatlicher Konkurrenz – ein kurzes Exerzitium am Beispiel von fossilen Energien:

  • Wer aufhört, Kohle, Öl und Gas zu fördern, beschert denen, die es weiter tun, steigende Gewinnspannen.
  • Wer aufhört, Kohle, Öl und Gas zu kaufen, beschert denen, die es weiter tun, sinkende Preise.
  • Nationen, die die Förderung von Kohle, Öl und Gas bzw. deren Verkauf besteuern, bescheren den Nationen, die dies nicht tun, einen kompetitiven Vorteil.
  • Eine zentralisierte Gewalt wie die UNO, hätte sie denn tatsächliche Macht, könnte dies ändern. Warum jedoch ausgerechnet die erfolgreichsten Nationen Macht an die UNO abgeben und sich dadurch schwächeren Kontrahenten tendenziell annhähern sollten, bleibt unklar – der eigenen Bevölkerung Opfer abzuverlangen, damit es allen in einigen Jahrzehnten besser geht, ist nur für Regierungen eine interessante Strategie, die mal wieder in die parlamentarische Opposition wechseln wollen – also für niemanden.

Gegenläufige Momente ließen sich in einem potentiellen Altruismus von Menschen finden (aber warum steigt der CO2-Ausstoß der Menscheit dann trotzdem weiter?), schwindenden Vorräten an Kohle, Gas und Öl (aber warum steigt der CO2-Ausstoß der Menscheit dann trotzdem weiter?), sinkenden Gewinnmargen durch erschwerte Erreichbarkeit von fossilen Bodenschätzen (aber warum steigt der CO2-Ausstoß der Menscheit dann trotzdem weiter?), wachsender Energieeffizienz (aber warum steigt der CO2-Ausstoß der Menscheit dann trotzdem weiter?), etc.pp.

Schon wer darauf besteht, dass eine Limitierung des Klimawandels nur durch ein Schrumpfen der Weltwirtschaft möglich ist, ist für Krugman ein “prophet of climate despair”. Im Gegensatz zu diesen, denen Krugman schon durch seine Wortwahl das rationale Denken abspricht, vertrete ich eine etwas einfachere Position, die es mir zudem erspart mein Brot in Zukunft selbst backen zu müssen:

  • Schrumpfende Ökonomien wird es nur während Wirtschaftskrisen und durch Kriege geben. Sobald die überwunden sind, geht das Wachstum in der wettbewerbsorientierten Weltwirtschaft weiter (wie bereits nach der letzten Krise zu sehen war), bis eine Erschöpfung der natürlichen Ressourcen weiteres Wachstum endgültig verunmöglicht. Diese “objektive Grenze” wird wohl in den nächsten Jahrzehnten erreicht werden – bereits jetzt wird etwa das chinesische Wachstum durch Umweltschäden um etwa 40% reduziert.
  • Nationen, die aus der Konkurrenz aussteigen und die Schrumpfung ihrer Ökonomie aktiv betreiben, werden – selbst wenn die eigene Bevölkerung das mitmacht, was ich nicht glaube – trotzdem der von den anderen weiter betriebenen Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung ausgesetzt (tragedy of the commons). Gleichzeitig sinkt mit ihrem schwindenden ökonomischen Gewicht ihr Einfluss zu Ungunsten derer, die weiterhin wachsen. Wer aus der Konkurrenz aussteigt, verliert seine Konkurrenzfähigkeit. Dass man die unter gegebenen Verhältnissen ohnehin nicht braucht, halte ich für ein Gerücht.
  • Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss Natur und Arbeit ausbeuten, sonst verliert er gegen jene, die dies weiterhin tun. Dass reichere Nationen mittlerweile ihre Umweltzerstörung u.a. nach China auslagern, zeigt nur, dass man nicht immer Arbeit und Natur der eigenen Nation ausbeuten muss, wie auch China mittlerweile begonnen hat, Natur und Arbeit etwa in Teilen Afrikas zu exploitieren.

Natürlich wird nach dem Ende des Kapitalismus alles besser. Doch das wird erst kommen, wenn die fossilen Brennstoffe erschöpft sind, was leider zu einem Zeitpunkt der Fall sein wird, zu dem man das der planetaren Oberfläche sowas von ansehen wird.

Written by Volker Radke

22/09/2014 at 8:35 nachmittags

Veröffentlicht in Klimawandel, Politik

Richard Dawkins und die “Summe an Glück”

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Richard Dawkins, der einiges geschrieben hat, das ich schätze, hat zu meiner Enttäuschung die Abtreibung von Föten mit Down-Syndrom empfohlen und gar als “moralisch richtig” bezeichnet, mit einer Argumentation, die mir an Radikalität Peter Singer hinter sich zu lassen scheint:

Wenn deine Moral, so wie meine, auf dem Wunsch begründet ist, die Summe an Glück zu vergrößern und das Leiden zu verringern, könnte die Entscheidung, absichtlich ein Down-Baby zur Welt zu bringen, obwohl die Möglichkeit einer Abtreibung in der frühen Schwangerschaft besteht, im Hinblick auf das Wohlergehen des Kindes sogar unmoralisch sein.

Das Praktische an der Idee einer “Summe an Glück” ist, dass sie schlecht genug bestimmbar ist, um damit so ziemlich alles rechtfertigen zu können. Im zitierten Abschnitt klingt sogar durch, dass ein totes Kind mit Down-Syndrom zumindest weniger unglücklich wäre als ein lebendes. Gerade bei vielen Kindern mit Down-Syndrom ist dies völlig absurd:

Auffallend viele Menschen mit Down-Syndrom haben besondere Fähigkeiten im Bereich des Sozialverhaltens und der Emotionalität, die bereits im Kleinkindalter beobachtet werden können. So wurde in Studien festgestellt, dass „viele dieser Kinder deutliche Stärken im sozialen Funktionieren“ zeigen und „öfter eine aufgeweckte Stimmungslage haben, mehr auf Musik ansprechen und weniger anstrengend sind als gleichaltrige andere Kinder“. Dennoch können Menschen mit Down-Syndrom bezüglich ihres Sozialverhaltens und ihrer Emotionalität untereinander sehr verschieden sein. (Wikipedia)

Wenn Dawkins von einer “Summe an Glück” im gesamtgesellschaftlichen Sinn spricht, müsste er auch in Erwägung ziehen, wie sich diese Summe – und die Gesellschaft mit ihr – verändert, wenn ökonomistisches Denken sich bis in solch persönliche Bereiche wie die Frage einer Abtreibung hineindrängt. Vielleicht sinkt die gesellschaftliche “Summe an Glück” ja paradoxerweise, wenn Glück zu sehr quantifiziert und vermessen wird?

Weiter fragt man sich, bei welchen genetisch bedingten Erkrankungen Dawkins die Grenze zieht: Das Gleiche würde etwa bei einer genetischen Disposition für Typ-I-Diabetes zutreffen, was nach Dawkins’ Logik des Autors die Abtreibung nach Feststellung der Veranlagung beim Fötus bedeuten sollte – auch hier wäre es sogar unmoralisch, es nicht zu tun, da ja die “Summe an Glück” sinken könnte.

Um für mich zu sprechen: Der Summe meines persönlichen Glücks würde es gut tun, wenn Dawkins und einige seiner Anhänger weniger gefährlichen Unfug erzählten. Um für andere zu sprechen: Yes, right now Richard Dawkins is a liability to atheism. Und dass Atheisten manchmal schlimme Dinge sagen, beeinflusst die Wahrscheinlichkeit der Nicht-Existenz Gottes so wenig wie die Verbrechen religiöser Menschen die Möglichkeit seiner Existenz ausschließen.

Written by Volker Radke

26/08/2014 at 5:53 nachmittags

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert, Politik

5 Thesen zur Operation insertrecentnamehere

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  1. In letzter Zeit hört man etwas seltener, dass die Hamas ja die demokratisch gewählte Regierung der Palästinenser im Gaza-Streifen sei. Es kann trotzdem nicht schaden, darauf hinzuweisen, dass die Regierung Netanjahu ebenfalls gewählt ist. Ich suche nach dem Präzedenzfall einer Regierung, die auf fortgesetzten Raketenbeschuss der eigenen Bevölkerung nicht mit militärischen Mitteln reagiert hat und dafür von ihrem dankbaren Staatsvolk wiedergewählt worden ist, zweifle aber daran, dass ich einen finden werde.
  2. Wer Gaza als riesiges Gefängnis bezeichnet und die rigiden Grenzkontrollen beklagt, denke bitte auch darüber nach, welche und wieviele Waffen die Hamas heute hätte (und wie der Konflikt in der Folge eskalieren würde), würden Israel und Ägypten diese rigiden Grenzkontrollen nicht durchführen.
  3. Warum Israel größeres Vertrauen in Gespräche mit Organisationen setzen sollte, die sein Existenzrecht bestreiten und Waffenruhen als taktisches Element begreifen, bleibt unklar.
  4. Dass es bei dem aktuellen Krieg nicht um palästinensische Freiheit geht, lässt sich unschwer aus dem Programm der Hamas ablesen und muss deshalb nicht weiter begründet werden. Freiheit und religiöse Herrschaft schließen einander aus.
  5. Mitgefühl muss allen säkularen und religiösen Palästinensern gelten, die die Hamas nicht gewählt haben und Israel als Staat zu akzeptieren bereit sind. Sie sind die tatsächlichen palästinensischen Opfer dieses Krieges, zusammen mit den Kindern, die das Pech hatten, in eine Gesellschaft hineingeboren zu werden, die von religiösen Antisemiten dominiert wird. Wer jedoch die Hamas in Kenntnis ihres Programms gewählt hat, hat damit auch die Entscheidung getroffen, ein Leben in Gefahr zu führen.

————————–

(Die Thesen 2-5 habe ich aus einem fünf Jahre alten Text kopiert, und auch These 1 klingt verdächtig vertraut – so wenig hat sich leider geändert.)

Written by Volker Radke

24/07/2014 at 9:17 nachmittags

Veröffentlicht in Politik

Dienstleistungsgewerbe

with 5 comments

Facebook-Chat, Rechtschreibung naturbelassen
Ehemaliger Nachhilfeschüler
servus volker
würdest du für mich eine hausarbeit in politik schreiben? soll so zwischen 10
bis 13 seiten lang sein. hab dieses semester einen außerfachlichen kurs belegt
in politik. in dem proseminar geht es um das regierungssystem der
bundesregierung deutschland. ichh abe halt gar keine zeit, weil ich die ganze
zeit lernen muss. meine zugangsdaten für die uni bibliothek usw würde ich dir
alles geben. morgen bekomme ich mein thema. ich meine es gibt ja google books
und google scholar auch noch. bis zum 31.03 muss das abgegeben sein. versteh
mich nicht falsch, aber ich würde dir ja dann auch was zahlen. sagen wir 150
euro für so eine billige hausarbeit, die du in paar tagen schreiben kannst.
falls ich die top bestehe, zahle ich nochmal 50 euro drauf. top ist eine 1. was
sagst du dazu? meld dich

viele grüße

vr
Grüß dich, so etwas mache ich grundsätzlich nicht, weil ich so etwas nicht
akzeptabel finde. Würde ich es tun, würde das mindestens 300,- Euro kosten, +
Fahrtkosten. Politik habe ich auch nicht studiert, sondern Soziologie, das ist
etwas anderes.
Wenn du die Zeit nicht hast, belege halt den Kurs nicht, oder mach’ den Schein
nicht.
cu, Volker

Ehemaliger Nachhilfeschüler
looool
okay fix 200. welche fahrtskosten?

vr
Lies bitte den ersten Satz noch mal.

Ehemaliger Nachhilfeschüler
oh man ist doch egal ob das akzeptabel ist oder nicht, volker. es sind nur 7 bis
10 seiten. das machst du locker. einem alten wegbegleiter kannst du doch nicht
hier einfach so hilflos da stehen lassen. ich meine 200 euro ist so viel. das
ist für dich 5 bis 6 tage arbeit. mehr nicht.

vr
Wenn du hilflos bist, hättest du den Kurs vielleicht nicht belegen sollen. Und
200,- für 5 bis 6 Tage wäre ein ziemlich armseliger Stundenlohn. Da spiele ich
lieber Xbox.

Ehemaliger Nachhilfeschüler
wenn ich mal arzt bin, kann ich dir viel zahlen. okay wenn ich dir 300 geben
würde, würdest du eine 1,x rausholen können?

vr
Nicht unwitzig, und doch bleibt es dabei: Ich mache so etwas nicht. Es würde
auch deshalb nicht funktionieren, weil du durch meinen anderen Stil und das
Fehlen von Rechtschreibfehlern sofort auffliegen würdest. So blöde kann kein
Dozent sein.

Ehemaliger Nachhilfeschüler
ey ich schreibe so gut. denkst du, dass ich dumm bin immerhin hab ich ein
besseres abi als du haha spaß ^^ aj okay. wenn du das geld net haben willst,
dann weiß ich auch net. jeder anedrer hätte es gemacht. es geht ja net hier um
eine doktorarbeit oder diploma thesis. sondern um eine billige hausarbeit. ^^

vr
Dann frage doch jeden anderen

Ehemaliger Nachhilfeschüler
du willst doch nur deine verhandlungsbasis stärken, in dem du solche argumente
bringst. in der nachhilfe sagst du den ja auch die lösung. also wo ist da
sproblem, mein lieber? ^^

Written by Volker Radke

21/05/2014 at 5:02 nachmittags

Veröffentlicht in Personal

Glaube als Beziehungskiste

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In einem ansonsten angenehmen Urlaubsgespräch mit einem anglikanischen Priester lernte ich, wie beklemmend modernisierte Varianten christlichen Denkens sein können, auch wenn sie auf den ersten Blick aufgeklärter und weniger hasserfüllt wirken als man es aus früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten kennt.. Im Gedächtnis blieb mir v.a. Folgendes:

  • Die Hölle gibt es nach wie vor;
  • Sie ist der Ort für jene, die “die Nähe zu Gott nicht ertragen können”;
  • Eine enge Beziehung zu Gott ist das eigentlich Entscheidende für alle Menschen.

Aus meiner Sicht folgt daraus:

  • Wer nicht an Gott glaubt, landet in der Hölle, egal ob er ansonsten ein “guter Mensch gewesen ist” oder nicht;
  • Wie alle Beziehungskisten ist auch die mit Gott vielerleit Unsicherheiten unterworfen: Ist meine Liebe zu Gott ausreichend? Liebe und ehre ich ihn auf die richtige Art? Wie soll ich mit Gewissheit erfahren, ob “alles ok” ist?
  • Im Gegensatz zu Religionen, die den Menschen eine Fülle von alltagsweltlichen Regeln auferlegen, deren strikte Befolgung einem wenigstens ein heimeliges Gefühl der Sicherheit verschafft, ist die imaginierte Beziehung zu Gott als wichtigster Garant für meine spätere Himmelsfahrt für meine Begriffe nicht weniger angsterzeugend als das, was wir von früher kennen.
  • Auch dieser Gott ist ein strafender Gott, und zwar einer der Gattung verchmähter Liebhaber, der einem, der zu Lebzeiten keine Beziehung zu ihm wünscht, nicht mehr verzeiht.

In einem fairen Universum wäre die Hölle der Ort für all jene, die ihren Mitmenschen aus metaphyischen Gründen ein Leben in Angst bereiten.

Written by Volker Radke

06/11/2013 at 2:43 nachmittags

Veröffentlicht in Politik

Stadtteilgruppe

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Bild

Die Plakate dieser Gruppe machen das Wiesbadener Westend durchaus ein wenig lebenswerter; dass deren gegenwärtige und ehemalige Mitglieder sich ihre eigenen Existenzen dabei wechselseitig ruinieren, ist nur Dreingabe.

Written by Volker Radke

06/09/2013 at 9:30 nachmittags

Veröffentlicht in Foto, Politik, Wiesbaden

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Verbotszone

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alk

Written by Volker Radke

12/06/2013 at 8:41 nachmittags

Veröffentlicht in Foto

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