Volker Radke

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Grass in Zeiten des Friedens

Verfasst von volkerradke am Montag, August 21, 2006

Louis Begley, FAZ:

>>…Immer wenn ich nach Deutschland kam - zuerst in den fünfziger Jahren als amerikanischer Infanterist, dann in den frühen Achtzigern als Rechtsanwalt und seit 1994 mit zunehmender Häufigkeit als Schriftsteller -, habe ich es mir zur Regel gemacht, Deutschen aus dem Weg zu gehen, die alt genug waren, im Zweiten Weltkrieg Waffen zu tragen. Auf jeden Fall versuchte ich, ihnen nicht die Hand zu schütteln.


In den fünfziger Jahren war es schwierig, diese Regel zu befolgen. Es gab zu viele Männer, die eindeutig in deutscher Uniform gedient hatten, aber ich ließ meine Hände herabhängen und versuchte, nicht zu lächeln. Auch das war schwierig, denn ausnahmslos versicherten mir diese Männer, sie seien an der Ostfront gewesen. Damit gaben sie zu verstehen, daß sie ihre Tötungsarbeit nur in Polen und Rußland geleistet hatten, nur an Kriegsschauplätzen in Ost- und Mitteleuropa, die einen amerikanischen G.I. nicht betrafen.

Ich verzichtete darauf, sie aufzuklären; ich sagte nicht, daß auch ich an der Ostfront gewesen war, nicht als Soldat, sondern als Tier, das zur Jagd freigegeben war und umgebracht werden sollte. So vermied ich, die Hände zu berühren, die nach meinem Wissen alles getan hatten, um Polen und andere osteuropäische Länder judenfrei zu machen…<<

Eine Antwort zu “Grass in Zeiten des Friedens”

  1. going down in style sagt:

    [...] Zeiten des Friedens Via Volker Radke Ausgeteilt von: jan. In zustände. Am Aug 21, 06 | 10:20 am Link [0] comments (0 views) |  [0] Trackbacks   [0] Pingbacks   [...]

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