Nächste Runde
>>…Die meisten Israeli glauben nicht mehr daran, dass ihre Nachbarn ihr Existenzrecht jemals anerkennen werden; vielmehr scheinen die benachbarten Regierungen Terror- und andere Angriffe auf Israel stillschweigend als Ausdruck ihrer eigenen politischen Intention zu akzeptieren. Deshalb sind die Israeli mehrheitlich davon überzeugt, dass in einer grausamen Umgebung nur grausam gekämpft werden kann. Man ist bereit, sich damit die Sympathien jener globalen Zuschauer zu verspielen, die zwar Geduld für die Grausamkeiten der Schwachen zeigen, aber mit denen der Starken nichts zu tun haben wollen.
In Europa täte man gut daran, umzudenken. Es ist nicht genug, an Frieden zu glauben, weil man sicher ist, dass er kommen wird, weil er einfach kommen muss – weil es vernünftig ist und sinnvoll, weil man doch das Leben dem Tod vorzieht. Es ist nicht genug, an die Rationalität der Geschichte zu glauben und im Endeffekt dann doch nur den eigenen Vorlesungen zuzuhören. Selbstzerstörerische Grausamkeit und mörderischer Kampf um Identität gehören nicht einer vergangenen Welt an. Die internationalen Truppen werden das in Libanon schnell lernen.
Das ist die Umgebung, in der Israel sich behaupten muss. Moralität hat da wenig Platz. Zur Normalität eines souveränen Nationalstaates gehört auch, dass er seine Grenzen verteidigt. Israel ist ein solcher Staat, und keine Projektionsfläche für die ethischen Vorstellungen der Intellektuellen. Nun hat die internationale Staatengemeinschaft einen Waffenstillstand ausgehandelt. Und was dann? Etwa das Ende der Besetzung und der Beginn eines neuen Nahen Ostens? Etwa das Ende des Terrors? Nein, das mit Sicherheit nicht.<<