John Coltrane
Miles Davis in seiner Autobiografie, S. 473:
>>Mit der Musik, die Trane in seinen letzten Jahren spielte, kann ich nichts anfangen. Nachdem er meine Gruppe verlassen hatte, hörte ich mir seine Platten nicht mehr an, denn er wiederholte immer nur den Kram, mit dem er bei mir begonnen hatte. Seine erste Gruppe mit Elvin Jones, McCoy Tyner und Jimmy Garrison war okay. Dann wurden sie ihr eigenes Klischee, und außer Elvin und Trane brachte keiner was. McCoy hämmerte nur noch wie verrückt auf dem kleinen Flügel rum, und ich fand das nicht besonders hip. Verstehst du, Typen wie Bill Evans, Herbie Hancock und George Duke beherrschen ihr Instrument. Aber Trane und seine Jungs blieben im modalen Schema stecken, und das hatte ich längst hinter mir. McCoy verlor mit der Zeit seinen Anschlag. Er wurde monoton und war genauso langweilig wie Trane, wenn man sich hinsetzte und ihm zu lange zuhörte. Nach ‘ner Weile konnte ich nichts mehr in der Musik hören oder finden. Und Jimmy Garrison gefiel mir auch nicht. Aber viele Leute mochten es, und das ist cool. Ich fand nur cool, was Elvin und Trane im Duett spielten…<<
Miles Davis nimmt einfach kein Blatt vor den Mund, das finde ich, gepaart mit seinem Selbstbewusstsein, großartig. Gut ist auch die Aussage, er habe Jazz vier oder fünf Mal neu erfunden.
Ich kann mich mit der Musik aus der späteren, spirituellen Phase Trane’s ebenfalls nicht so recht anfreunden. Die Sachen mit Miles und die allerersten Solosachen sind dafür aber richtig gut…
jules
Mittwoch, November 15, 2006 um 2:14
Sich selbst hat er dabei zum Glück auch nicht ausgelassen. Die Schilderung seiner drogenbedingten Auszeit in den 70ern in der Autobiografie ist an Deutlichkeit kaum zu überbieten.
volkerradke
Mittwoch, November 15, 2006 um 2:24
Ich hab immer mal wieder überlegt, die Autobiografie zu lesen. Anscheinend ist sie empfehlenswert?
jules
Mittwoch, November 15, 2006 um 2:40
Oh ja, ich hab sie mindestens zweimal gelesen, was mir selten passiert.
volkerradke
Mittwoch, November 15, 2006 um 5:08