Volker Radke

…bis man ihr das anmerkt

Überflüssig?

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Stefan Ripplinger schreibt zur Auseinandersetzung um Beate Klarsfelds Ausstellung zur Deportation jüdischer Kinder auf deutschen Bahnhöfen:

Die Täter waren keine Wahnsinnigen, sie folgten einer klar ausformulierten Philosophie, und es war eine moderne Philosophie: Sie sonderte Über­flüssige aus und wollte sie wie Biomüll entsorgt sehen.

Dieser Darstellung möchte ich kurz widersprechen: Juden wurden von Nazideutschland gerade nicht als „Überflüssige“ ausgesondert, sondern als weltweite Bedrohung wahrgenommen, die es zu beseitigen gelte. Hierzu Saul Friedländer:

Diese unterschiedlichen Ebenen der antijüdischen Ideologie lassen sich auf die knappste Weise zusammenfassen: Der Jude war eine tödliche und aktive Bedrohung für alle Nationen, für die arische Rasse und für das deutsche Volk. Die Betonung liegt nicht nur auf „tödlich“, sonder auch – und vor allem – auf „aktiv“. Während sämtliche anderen Personenkreise, die vom NS-Regime ins Visier genommen wurden – die Geisteskranken, die „Asozialen“ und Homosexuellen, rassisch „minderwertigen“ Gruppen einschließlich der Zigeuner und der Slawen – im wesentlichen passive Bedrohungen darstellten (solange die Slawen beispielsweise nicht von den Juden geführt wurden), waren die Juden aus nationalsozialistischer Sicht die einzige Gruppe, die seit ihrem Eintritt in die Geschichte erbarmungslose Ränke schmiedete und Manöver unternahm, um die gesamte Menschheit zu unterjochen. (Die Jahre der Vernichtung, S. 17)

Geschrieben von Volker Radke

Mittwoch, Dezember 27, 2006 um 9:35

Veröffentlicht in Politik

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