Militärische Logik II
Ulrich Sahm (NTV) über angebliche Pläne Israels, die iranischen Nuklearanlagen zu zerstören:
>>…Nur mit einem Halbsatz erwähnen die Autoren, dass die israelischen Flugzeuge auch nach Iran gelangen müssten. „Eine Route führt über die Türkei“, heißt es in dem Artikel, ohne die anderen Routen zu erwähnen.
Das prüft man am Besten mit einer Weltkarte: Zwischen Iran und Israel liegen der Nato-Partner Türkei, das feindselige Syrien, das befreundete Jordanien und der von den Amerikanern militärisch besetzte Irak. Die Israelis müssten also entweder ihre strategische Allianz mit der Türkei oder den Friedensvertrag mit Jordanien aufs Spiel setzen, wenn sie diese Länder unangemeldet mit Kampfflugzeugen über tausende Kilometer hinweg überfliegen. Syrien dürfte kaum stillhalten. Und ob die Amerikaner so blind sind, Ufos aus Israel in Richtung Iran fliegend nicht zu bemerken, dürfte eher fraglich sein. Und falls die Amerikaner das „sehen“ oder gar informiert werden, könnten sie auch selber von ihren Flugzeugträgern aus mit den gleichen Waffen und gleicher Methode die Aktion ausführen, ohne tausende Kilometer weit fliegen zu müssen.
Immerhin hat die „Sunday Times“ bei ihrem neuen Artikel über einen vermeintlich geplanten israelischen Schlag gegen Iran ein völlig abstruses Element weggelassen. Damals hieß es, dass Israel per Hubschrauber ganze dreitausend Kilometer weit Bodentruppen schicken werde, um nach dem Bombardement „aufzuräumen“. Das entspräche einem Hubschrauberflug von Berlin nach Sizilien ohne Pause, ohne Auftanken und das noch unbemerkt über Feindesland hinweg. Ebenso behauptete die Zeitung damals, dass nur Israel über ausreichend Soldaten verfüge, eine derartige Aktion durchzuführen. Eine kurze Recherche bei einschlägigen strategischen Instituten ergab, dass die Amerikaner etwa genauso viele Militärs im Irak stationiert haben wie es insgesamt Soldaten in der israelischen Armee gibt – Marine, Bodentruppen, Artillerie, Panzerfahrer und Koscher-Inspektoren in den Militärküchen eingeschlossen.<<