Moderator im Wind
Ob Thomas Gottschalk wusste, was er sagte? Nachdem er zuerst scheinbar Verständnis für Marcel Reich-Ranickis Empörung bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises gehabt hatte, war es ihm vielleicht doch ein Anliegen, später gegenüber dem Schwiegersohn Martin Walsers („Jeder Autor, den er so behandelt, könnte zu ihm sagen: Herr Reich-Ranicki, in unserem Verhältnis bin ich der Jude.“) kundzutun, dass ihm „Tod eines Kritikers“ „übrigens sehr gut gefallen“ habe – Walsers Erzählung, in der ein Reich-Ranicki nachempfundener Literaturkritiker umgebracht wird.*
Und dies, kurz nachdem Reich-Ranicki Gottschalk vor laufender Kamera das Du angeboten hatte.
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[*am Ende des Buchs stellt sich heraus, dass der Kritiker Ehrl-König doch noch am Leben ist, siehe Kommentar 1; entscheidend für die Zwecke meines Textes sind die antisemitischen Fantasien, die das Buch und Walsers Äußerungen in der Öffentlichkeit durchziehen]
Weder habe ich das Buch gelesen noch möchte ich jemand die Spannung verderben, aber der Kritiker wird nicht umgebracht, soweit ich weiß: „So folgt die unvermeidliche Pointe am Ende: Der Literaturkritiker ist gar nicht tot, [...]“ ( http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,198400,00.html ).
Ist das Wort „scheinbar“ hier eigentlich bewusst verwendet oder synonymisch zu „anscheinend“?
Brodaganda
Freitag, Oktober 17, 2008 um 2:43
Mein Fehler. Ehrl-König ist am Ende des Buchs noch am Leben.
„Scheinbar“ habe ich geschrieben, weil ich denke, dass Gottschalks Verständnis für Reich-Ranickis Empörung geheuchelt war. Er verdient ja sein Geld weitgehend mit dem selben Mist, über den Reich-Ranicki sich aufgeregt hat.
Wie bewusst ihm an diesem Abend war, dass es in „Tod eines Kritikers“ um die fiktive Ermordung Reich-Ranickis ging, ist die Frage, auf die es wahrscheinlich keine Antwort geben wird.
volkerradke
Freitag, Oktober 17, 2008 um 5:41