Archiv für November 2008
Einer meiner peinlichsten Weblog-Momente: etwas zu prognostizieren, um Monate später herauszufinden, dass das Vorhergesagte zum Zeitpunkt des Schreibens schon längst eingetroffen war.
Bild-Blattkritik
Nun ist es raus: Henryk „deutsche Lesbennationalmannschaft“ Broder outet sich als „Fan“ von Franz-Josef „wenn sie nein sagen, meinen sie ja“ Wagner.
Vor sieben Jahren noch hatte Broder über Wagner geschrieben:
Nicht einmal Wagner kann zugleich schreiben und wichsen, denn wenn das Händchen schlapp macht, geht den Worten die Luft aus.
Heute meint Broder:
Auch wenn er nicht glänzend ist, ist es fast immer lesenswert.
Daraus folgt hoffentlich nur, dass Wagner heutzutage weniger oft Hand an sich legt. Eine andere Möglichkeit mag man gar nicht erst bedenken.
Klima und Marktwirtschaft (auch nachkapitalistische)
Manche sind optimistisch, dass Barack Obamas Regierung trotz der Finanzkrise und der Tatsache, dass der Staat hoch verschuldet ist, energische Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels einleiten wird.
Selbst wenn der neuen US-Regierung dies gelingen sollte (vielleicht sinkt der us-amerikanische CO2-Ausstoß durch die Rezession für eine Zeit lang, wie dies schon beim Zusammenbruch der osteuropäischen Ökonomien in den 90ern der Fall war), wäre immer noch fraglich, ob dies dem Klima helfen würde. Sollte die Nachfrage nach Kohl und Öl durch die USA sinken, würden die Preise dieser fossilen Energieträger auch sinken, was sie für andere Staaten wieder interessanter machen würde. Auf dem globalen Markt würden Öl und Kohle – solange dies nicht durch ein durchsetzungsfähiges internationales Klimaregime verhindert wird, was nicht absehbar ist – lediglich an andere Kunden verkauft, die durch die geringeren Energiekosten (die Klimakosten und die Umweltschäden werden ja auf alle umgelegt bzw. externalisiert) kompetitive Vorteile erringen würden.
Nach wie vor steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, und dies, trotz oder besser wegen Kyoto, sogar schneller.
Um den Klimawandel wirkungsvoll zu begrenzen, dürften Kohle und Öl nur noch in sehr viel geringerem Maß gefördert werden, idealerweise ganz im Boden verbleiben. Ohne eine massive Regulierung des Marktes für fossile Energieträger – besser noch seine Abschaffung – wird dies nicht möglich sein. Der Emissionshandel war bisher kein funktionierendes Instrument, und bis zum Beweis des Gegenteils nehme ich an, dass dies auch so bleiben wird. Immerhin funktionierte er im Sinne der Konzerne, die durch die Zertifikate nicht nennenswert beim CO2-Ausstoßen behindert wurden.
Und nein, Deutschland ist auch hier ein Teil des Problems, nicht der Lösung.
Unter dem Pflasterstrand kam ihm das Hirn abhand
Reinhard Mohr in einer seiner öligen Kritiken einer x-beliebigen, uninteressanten Fernsehsendung, die man sich nicht anzusehen braucht:
Wären im Laufe dieser Entwicklung die Klassenunterschiede erst einmal verschwunden, so verliere die Herrschaft des Proletariats ihren explizit politischen Charakter. Marx’ Prophezeiung: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“
So sah er aus, der Kommunismus anno 1848. Es hat ihn nie gegeben in der Menschheitsgeschichte. Nicht davor und nicht danach.
Aber:
… es gab die DDR, die vor fast zwanzig Jahren zusammenbrach. Sie hatte sich strikt an Marx’ Vorgaben gehalten.
Bis auf eine Kleinigkeit:
Nur mit der Assoziation freier Individuen hat es nicht geklappt.
Er ist nicht kleinlich, der ex-Sponti und Autor von „Das Deutschlandgefühl“.
Tiefer Witz
Hannes Stein titelt auf achgut.com:
Die arabische Welt erklärt ihre tiefe Sympathie für Barack Obama
Im von ihm als Beleg verlinkten Artikel auf Memri ist u.a. Folgendes zu finden:
Al-Qaradhawi: The Democrats Are Like a Snake That „Kill[s] You Slowly Without You Noticing“
…
Iranian Daily: „That Black Man“ Will Never Change U.S. Policy
…
Syrian Daily: …
„Some claim that if Obama wins he will be no better than Bush, if not worse… They may be right, since it is well known that no American president has ever stood on the side of the Arabs – rather, they have all stood on the side of Israel…
…
Saudi Daily: No Difference Between Obama and McCain
…
Al-Hayat Columnist/Al-Arabiya Deputy Director: „The Faces [in the White House] Change in a Way That We Find Impressive“ [gemeint ist der demokratische Machtwechsel, zu Obama ist in den Memri-Zitaten aus Al-Hayat nichts zu finden, vr]
…
Hannes Stein, immer für einen Schenkelklopfer gut.