Tiefer Witz
Hannes Stein titelt auf achgut.com:
Die arabische Welt erklärt ihre tiefe Sympathie für Barack Obama
Im von ihm als Beleg verlinkten Artikel auf Memri ist u.a. Folgendes zu finden:
Al-Qaradhawi: The Democrats Are Like a Snake That „Kill[s] You Slowly Without You Noticing“
…
Iranian Daily: „That Black Man“ Will Never Change U.S. Policy
…
Syrian Daily: …
„Some claim that if Obama wins he will be no better than Bush, if not worse… They may be right, since it is well known that no American president has ever stood on the side of the Arabs – rather, they have all stood on the side of Israel…
…
Saudi Daily: No Difference Between Obama and McCain
…
Al-Hayat Columnist/Al-Arabiya Deputy Director: „The Faces [in the White House] Change in a Way That We Find Impressive“ [gemeint ist der demokratische Machtwechsel, zu Obama ist in den Memri-Zitaten aus Al-Hayat nichts zu finden, vr]
…
Hannes Stein, immer für einen Schenkelklopfer gut.
Es gab auch schon andere Situationen, bei denen ich bei der Achse grübelte, ob das ernst gemeint ist oder nicht, insbesondere aufgrund gar nicht oder kaum kommentierter Zitate oder Links. Aber auch wenn Hannes Stein es ironisch meint, dann wird sich das für einen flüchtigen Leser (und wieviele klicken schon die Quellen ab?) wahrscheinlich in Desinformation umwandeln. Vielleicht kannst Du ihn um eine Stellungnahme bitten – es würde mich interessieren, wie er das reflektiert.
Brodaganda
Freitag, November 7, 2008 um 12:57
So etwas habe ich mir auch überlegt. Vielleicht hat er auch mit der Ambivalenz und den Erwartungen des Publikums auf achgut gespielt.
Auch das wäre eigentümlich, weil achgut.com ja an sich eine Agenda hat (pro-westlich, „islamkritisch“, Sympathie mit den neocons, Anti-Klimaschutz etc.) und deshalb recht bemüht ist, in diesen zentralen Fragen ziemlich straight zu sein. Das unterläuft er hier ein wenig, wenn er den Text auf Memri denn gelesen hat.
Ich will einfach mal abwarten, ob und was für Reaktionen die einschlägigen Blogs in den nächsten Tagen zeigen werden. Vielleicht gibt das ja etwas her.
volkerradke
Freitag, November 7, 2008 um 1:18
Ja, mit den Erwartungen spielen würde eine Selbstironie voraussetzen, die ich auf der Achse noch nie erkennen konnte. Deswegen irritiert das schon.
Apopros irritierend: da fällt mir noch etwas anderes ein, wo es ein Wunder ist, dass das auf der Achse stehen kann. Was meinst Du dazu:
„In jedem Fall ist der Irakkrieg für die USA inzwischen so teuer wie der Erste Weltkrieg. Dass er moralisch und machtpolitisch ein großer Fehler gewesen ist, beschreibt nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist wirtschaftlicher Natur.“
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_krise_des_krieges/
Brodaganda
Samstag, November 8, 2008 um 9:18
Meine Vermutung wäre, dass das implizite Bekenntnis des Autors zum Marktliberalismus den Text achgut-kompatibel macht.
Bush wird hier, auch wenn das Wort nicht fällt, als Rüstungskeynesianer beschrieben, der ein ruinöses deficit spending betrieben hat, um Amerikas Kriege zu finanzieren. Das sehe ich durchaus ähnlich, auch wenn die Schlussfolgerung, eine weniger „ungezügelte Staatspolitik“ wäre besser gewesen, keineswegs zwingend ist.
Eine Gemeinsamkeit der achgut-Autoren scheint mir zu sein, dass sie zwar alle möchten, dass die USA die dominante Rolle in der Welt spielen, sich jedoch nur selten fragen, ob die USA das überhaupt leisten können, ohne sich dabei zu ruinieren. Sie beschweren sich regelmäßig darüber, dass die Mehrzahl der Europäer nicht ausreichend mitmacht („appeasement“ gegenüber dem Iran etc.), vermuten allerdings Fehleinschätzungen dahinter, also dass der Islam oder der Iran unterschätzt werden, man bereits eingeknickt ist etc.
Dass man in Europa u.U. der Überforderung der USA kaltlächelnd zuschaut und sich gleichzeitig gegenüber der Welt als die friedliebende Alternative inszeniert, was sehr viel kostengünstiger und effizienter ist als die amerikanischen Kriege, kommt ihnen eher nicht in den Sinn, soweit ich das sehe.
Das mit dem „moralischen Fehler“ im von Dir genannten Text kann ich mir aber beim besten Willen nicht erklären.
volkerradke
Samstag, November 8, 2008 um 9:39
Ja, Wolfram Weimers sonstige Ansichten sind natürlich sehr Achsen-kompatibel. Ich habe nochmal nach Anzeichen gesucht, ob seine früheren Texte Bush-freundlicher waren, aber habe nichts wirklich aussagekräftiges gefunden. Herausgekommen ist nur das. Vermutlich sieht Weimer das aus rein wirtschaftlichem Blickwinkel – und ansonsten kann man für den Marktliberalismus durchaus auch mal einen Bush opfern.
Danke für die interessanten anderen Überlegungen.
Brodaganda
Dienstag, November 11, 2008 um 8:27
[...] “Achse des Guten ganz böse…” bei Kritik und Kunst und Kommentiererei bei Volker [...]
Blame-Bush-Experten unter sich « Brodaganda
Dienstag, November 11, 2008 um 8:30