Klima und Marktwirtschaft (auch nachkapitalistische)
Manche sind optimistisch, dass Barack Obamas Regierung trotz der Finanzkrise und der Tatsache, dass der Staat hoch verschuldet ist, energische Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels einleiten wird.
Selbst wenn der neuen US-Regierung dies gelingen sollte (vielleicht sinkt der us-amerikanische CO2-Ausstoß durch die Rezession für eine Zeit lang, wie dies schon beim Zusammenbruch der osteuropäischen Ökonomien in den 90ern der Fall war), wäre immer noch fraglich, ob dies dem Klima helfen würde. Sollte die Nachfrage nach Kohl und Öl durch die USA sinken, würden die Preise dieser fossilen Energieträger auch sinken, was sie für andere Staaten wieder interessanter machen würde. Auf dem globalen Markt würden Öl und Kohle – solange dies nicht durch ein durchsetzungsfähiges internationales Klimaregime verhindert wird, was nicht absehbar ist – lediglich an andere Kunden verkauft, die durch die geringeren Energiekosten (die Klimakosten und die Umweltschäden werden ja auf alle umgelegt bzw. externalisiert) kompetitive Vorteile erringen würden.
Nach wie vor steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, und dies, trotz oder besser wegen Kyoto, sogar schneller.
Um den Klimawandel wirkungsvoll zu begrenzen, dürften Kohle und Öl nur noch in sehr viel geringerem Maß gefördert werden, idealerweise ganz im Boden verbleiben. Ohne eine massive Regulierung des Marktes für fossile Energieträger – besser noch seine Abschaffung – wird dies nicht möglich sein. Der Emissionshandel war bisher kein funktionierendes Instrument, und bis zum Beweis des Gegenteils nehme ich an, dass dies auch so bleiben wird. Immerhin funktionierte er im Sinne der Konzerne, die durch die Zertifikate nicht nennenswert beim CO2-Ausstoßen behindert wurden.
Und nein, Deutschland ist auch hier ein Teil des Problems, nicht der Lösung.
JA ganz klar sind wir ein Teil des Problems. Man macht sich das gar nicht mehr so bewusst, da in den Nachrichten immer nur über die USA, China und Indien geredet wird. Vielleicht liegt es auch an Angelas schickem grünen Blazer den sie für solche Zwecke parat hat, dass wir uns als energiepolitisches Wunderland sehen. Auch wenn wir eine neue Medienwirksame Solarkooperation mit Indien eingehen ist das bis jetzt auch heiße Luft. Soweit ich weiß (der letzte Stand vor einem Jahr) wird in der Herstellung und Transport von Solaranlagen mehr CO2 ausgestoßen als jemals eingespart wird.
Von daher sehe ich zu einem Weiterbetrieb der AKWs und dem staatlichen Zwang 100% des Gewinns daraus in die Erforschung erneuerbarer Energien zu stecken keine Alternative. Auch wenn mir dabei etwas mulmig ist und die Frage der Endlagerung nicht geklärt ist.
Aber dazu muss man in Deutschland vor allem den Grünen und der SPD (Gabriel) einen Vorwurf machen. Es ist klar, dass die AKWs nicht unbegrenzt laufen sollen. Aber mit den immer wieder neu in Auftrag gegebenen Studien über die Zulassung Gorlebens oder Asse als Endlager liegt der Atommüll an der Oberfläche. Irgendwann muss er nun mal weg. Und kein anderes Land wird sich unseren Müll aufhalsen.
Aber mit deinem Statement bist du ganz auf der Seite von Hans-Werner Sinn. Was nicht verkehrt ist, weil es ist ein ganz natürlicher Marktmechanismus.
Thomas
Mittwoch, November 19, 2008 um 2:28
Auch wenn es demnächst einen weltweiten AKW-Bauboom geben würde, würde dies bei einer Bauzeit von mehr als 10 Jahren aus meiner Sicht zu spät kommen, zumal auch der Bau von AKWs ein beträchtliche Menge an CO2 erzeugt. Man müsste um die 1.000 Werke bauen, um einen nennenswerten CO2-Effekt zu erzielen, was derzeit illusorisch ist, ganz zu schweigen von den von Dir erwähnten Endlagerungsproblemen, auch der erhöhten Anfälligkeit gegen Terroristen.
http://www.kuhrt.de/wissen/der-erfundene-boom-zeit-online-012008/
[edit: Einen Ausbau der Kernkraft hast Du natürlich nicht befürwortet, um nicht missverstanden zu werden. Ob es machbar ist, AKWs dicht zu machen und gleichzeitig CO2 massiv einzusparen, kann ich schlecht einschätzen.]
Sinn stimme ich tatsächlich in seiner Analyse der Marktmechanismen zu. Über den Leakage-Effekt, der als Gegenargument gegen ihn gebracht wurde, könnte man diskutieren, auch wenn ich glaube, dass er zu spät eintreten würde, da Öl und Kohle leider noch zu lange für das Weltklima bequem verfügbar sind.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,587192,00.html
Wohl im Unterschied zu Sinn sehe ich Lösungen derzeit nur jenseits von Marktmechanismen. Sinn möchte letztlich, auch wenn er das nicht zugeben würde, zeigen, dass alle Maßnahmen, die nicht auf Kernkraft hinauslaufen, zum Scheitern verurteilt oder nicht praktikabel sind. In der Kategorisierung von „Klimaskeptikern“ (ein blödes Wort) gehört er zu denen, die zwar den Klimawandel für eine Tatsache halten, die Maßnahmen gegen den Klimawandel aber in Zweifel ziehen (wie Lomborg).
Ich gehöre zu denen, die sich diese Maßnahmen wünschen, in der Überzeugung, dass nicht mehr genug Zeit ist, um auf die nächste Gesellschaftsformation zu warten. Allerdings befürchte ich, dass die nötige weltweite Regulierung des Rohstoffmarktes nicht stattfinden wird.
volkerradke
Mittwoch, November 19, 2008 um 11:24
[...] Planeten führen werden werden, einiges Erhellendes beizutragen (begonnen habe ich hier, hier und hier). Teil dieses Unterfangens muss und wird hoffentlich, as time permits, die Kritik derjenigen [...]
Das politische Scheitern der Klimaforscher I « Volker Radke
Dienstag, Februar 17, 2009 um 5:22