Archiv für Januar 2009
Goodbye Ubuntu, hello Fedora
Das Ausprobieren verschiedener Linux-Distributionen ist eine wundervoll unproduktive Tätigkeit, auch wenn etliche der Distro-Switcher standhaft behaupten, die Distribution X würde produktiveres Arbeiten ermöglichen. Ob sie die Zeit, die sie mit dem Testen von zig Linuxvarianten verbracht haben, durch produktiveres Klicken auf dem Desktop je wieder hereinholen können, ist recht zweifelhaft.
Das macht jedoch nichts. Distro-Switching ist ein Hobby – man zieht alle paar Monate in ein neues virtuelles Zuhause, bis es einem dort auch wieder langweilig wird, weil alles perfekt eingerichtet ist und nichts mehr passiert, das die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen könnte. Dann beginnt man, auf das Auftauchen eines lästigen Fehlers zu warten, der mit dem ein oder anderen Update sicher kommen wird. Dieser wird dann zum Anlass genommen, sich im Anschluss an eine oberflächliche Suche nach Workarounds hastig der nächsten Distribution zuzuwenden, in der Hoffnung, diese möge besser funktionieren, was jedoch nur noch schneller in die Langeweile führt, die die Suche nach der nächsten Distribution anstößt.
So ungefähr ist das zumindest bei mir. Meine letzte Ubuntu-Installation hat bis vor einigen Tagen makellos funktioniert, sodass es Zeit für etwas Neues wurde – enter Fedora.
Die Community-Distribution der Firma Red Hat bietet wenig, das sie für Benutzer von Ubuntu oder anderen Linuxversionen abheben würde, einiges hiervon sei kurz benannt:
- Fedora ist technisch aktueller als andere Linux-Distributionen, u.a. weil viele Entwicklungen in der Linuxwelt von Red Hat-Angestellten vorangetrieben werden. Dadurch ist es jedoch auch tendenziell fehleranfälliger – auch wenn das aktuelle Fedora 10 ziemlich gut funktioniert – und jede Version wird nur etwa 13 Monate lang unterstützt.
- Gleichzeitig gibt es jedoch, anders als im auch sehr aktuellen Debian Unstable oder Debian Testing, eine recht ausgefeilte Sicherheitsarchitektur.
- Fedora ist strikt dem Open Source-Gedanken verpflichtet, was den User etwas mehr Arbeit kostet, wenn er etwa Youtube-Videos anschauen möchte. Man geht, im Gegensatz zu Ubuntu, kaum Kompromisse im Dienste der Benutzbarkeit ein.
Fünf der neun Mitglieder der Fedora-Projektleitung werden von den Mitgliedern der Community gewählt. Mark Shuttleworth, der reiche Gründer und Sponsor der Firma Canonical, kann nicht abgesetzt, Paul Frields, der derzeitige Fedora-Projektleiter, zumindest nicht wiedergewählt werden. In der Ubuntu-Community macht sich kaum jemand Gedanken darüber, dass bei ihnen der Mann mit dem dicksten Portemonnaie das Sagen hat, und was dies für Linux als Ganzes bedeuten könnte. Bill Gates ist ein Beispiel für die Probleme, die damit verbunden sind, dass Leute mit einem Milliardenbudget „wohltätige Arbeit“ leisten, die niemand gewählt hat und deren Arbeit kaum einer demokratischen Kontrolle unterliegt. Der ehemalige Mandriva- und nun Red Hat-Mitarbeiter Adam Williamson hat bereits – natürlich auch aus der Sicht des Ubuntu-Konkurrenten – angezweifelt, ob Ubuntu für das Linux-Ökosystem langfristig wirklich von Nutzen ist. Das ehemalige Fedora-Boardmitglied Jeff Spaleta hat wiederholt die Frage aufgeworfen, warum Shuttleworth’s Firma Canonical nicht den Quellcode aller von ihr entwickelten Infrastrukturprojekte, mit denen die Ubuntu-Community arbeiten muss, freigibt, obwohl Shuttleworth doch der Ansicht ist, dass Open Source das überlegene Softwaremodell ist.
Die Antworten, die Spaleta und Williamson erhielten, haben mich letztlich davon überzeugt, künftig eine andere Distribution als Ubuntu zu verwenden und zu unterstützen. Zumindest solange, bis mir wieder langweilig wird.
Deutschland als Krisengewinnler II
„Deutsche Großkonzerne nutzen die Wirtschaftskrise zur Expansion. Während Massenentlassungen angekündigt werden und Zehntausende vor Kurzarbeit stehen, bereiten Energie- und Medienunternehmen sowie die Deutsche Bahn AG umfangreiche Übernahmen im Ausland vor. Deutsche Firmen haben sich in den vergangenen Jahren Vorteile gegenüber ausländischen Konzernen verschafft – etwa höhere Rendite bei geringerem Fremdkapital -, die jetzt in der Krise entscheidende Bedeutung gewinnen. Man habe „schlicht mehr Geld in der Kasse“ als die Konkurrenz, heißt es in deutschen Wirtschaftskreisen. Zur Zeit verhandelt etwa die RTL Group (Bertelsmann) um den britischen Fernsehsender Channel 4, die Deutsche Bahn will den britischen Anteil des Eurostar übernehmen. Die Energieriesen RWE und Eon expandieren ebenfalls in Großbritannien und planen zudem Übernahmen in den Niederlanden. Dort könnte ein erheblicher Teil der Energieversorgung unter deutsche Kontrolle geraten…“
Israel’s goals in Gaza
„The war in Gaza was aimed at preventing the entrenchment of the perception that the rocket resistance in conjunction with Islamic zealotry is the ultimate weapon Israel cannot cope with. Yet we can and should prove that even though Israel has no operative solution for it, it does possess a strategic response to this challenge.
The strategic response is political willingness (in addition to military capabilities) to sow disproportional destruction and hurt the assets that are dear to those who fire rockets at Israeli population centers. The main objective is not to hit the last rocket, but rather, to enforce a fundamental change in the Muqawma’s cost-benefit equation by dramatically raising the cost.
[...]
The results of the war will not be determined by the nature of the diplomatic agreement that ends it, but rather, by Israel’s willingness to pulverize Hamas during the war, and especially to respond wildly to the first rocket launched after the war; for example, by assassinating Hamas leaders after they emerge from their trenches.
Destruction in Gaza contributes to the prevention of war with Lebanon and Syria, assists Egypt and Jordan in fighting radical elements, and signals Israel’s limits of restraint to Iran.“
Antisemitischer Hass in Mainz II
Im Regionalfernsehen erinnerte sich später Polizeisprecher Kai Süßenbach an den Vorfall: „Es gab eine Provokation auf der Höhe des Kaufhofs, wo eine Gruppe von Personen provozierend mit einer israelischen Fahne gewunken hat.“ Da bestand Handlungsbedarf, und „diese Personen wurden personalmäßig festgestellt“. Da es sich um keine Israelis gehandelt habe, könne man nun tatsächlich davon ausgehen, dass hier Provokateure am Werk gewesen seien. Dieser Ansicht war anscheinend auch das Personal bei Kaufhof, das laut Berichten den Halunken Hausverbot erteilte. Wo kämen wir auch hin, wenn jeder, wies ihm grade passt, friedliche Friedensdemonstranten mit Davidsternen zur Weißglut bringt und daraus Straftaten entstehen, weil die Friedensdemonstranten nicht mehr an sich halten können?
Stündliche Wettervorhersage

Stündliche Wettervorhersage ist für die Füße
Ich werde mich besser nicht darauf verlassen, dass die Temperatur in der nächsten Stunde um 15°C ansteigt.
Bauernopfer Israel
…Seit dem historisch beispiellosen Finanzkrach im Herbst 2008 dreht sich die globale Konstellation abermals. Jetzt wird deutlich, dass der Zusammenbruch des Staatssozialismus und der nationalen Entwicklungsregimes nur der Vorschein einer großen Krise des Weltmarkts war. Der Neoliberalismus hat abgewirtschaftet und der kapitalistische Weltordnungskrieg wird unfinanzierbar. In dieser Situation zeigt sich, dass Israel immer nur ein Bauer auf dem Schachbrett des globalen Krisenimperialismus war. Schon die Bush-Administration hatte zuletzt das iranische Atomwaffenprogramm verharmlost. Die Interessen der USA und Israels treten auseinander; Obama hat keinen politisch-militärischen Spielraum mehr. Der islamistische Krieg gegen die Juden wird in Kauf genommen.
[...]
Gegen den ideologischen Mainstream muss festgestellt werden, dass die Vernichtung von Hamas und Hisbollah eine elementare Bedingung nicht nur für einen prekären kapitalistischen Frieden in Palästina ist, sondern auch für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse. Wenn die Chancen dafür schlecht stehen, stehen sie gut für den Zerfall der Weltgesellschaft in die Barbarisierung.
Antisemitischer Hass in Mainz
Aus der gemeinsamen Pressemitteilung der Antifaschismus-AG an der Uni Mainz und des AK Antifa Mainz:
Bei einer Demonstration der so genannten „Mainzer Initiative für Frieden in Gaza“ am gestrigen Samstag, den 10. Januar 2009, wurden Plakate und Transparente mit antisemitischem und holocaustrelativierendem Inhalt gezeigt. Außerdem kam es zu antisemitischen Ausschreitungen und Drohungen gegen Menschen, die mit Fahnen ihre Solidarität zu Israel bekundeten. [...]
Auf einem Plakat wurde eine Israelfahne mit einer Hakenkreuzfahne gleichgesetzt, außerdem wurde der holocaustrelativierende Slogan „Soll Gaza Auschwitz werden?“ gezeigt. Ein anderes Plakat zierte das Statement: „Israel trinkt das Blut unserer Kinder“. [...]
Als israelsolidarische Menschen in der Nähe des Kaufhofes in der Bauhofstraße Israelfahnen zeigten, um dem anti-israelischen Aufmarsch eine andere Position entgegen zu setzen, kam es zu antisemitischen Ausschreitungen. Mit Rufen wie „Ihr Judenschweine!“ und geballten Fäusten stürmten einige wildgewordene Demoteilnehmer in Richtung der Gruppe mit den Israelfahnen. Diese flohen nach Augenzeugenberichten in das Kaufhof-Gebäude.
Wie Augenzeugen weiter berichten, wurden daraufhin einige Personen im Geschäft vom Sicherheitspersonal aufgegriffen und beschuldigt, eine Schlägerei provoziert zu haben. Die Polizei nahm die Personalien auf und erteilte Platzverweis, so die Beschuldigten. Das Kaufhof-Personal erteilte umgehend ein einjähriges bundesweites Hausverbot und soll dies mit den Worten „So Leute wie euch brauchen wir hier nicht“ kommentiert haben.
Besonders interessant erscheint diese Maßnahme vor dem Hintergrund der Arisierung des Kaufhauses Tietz 1933 und seiner Umbenennung in Westdeutsche Kaufhof AG…
Spot the Difference IV
Aus dem Google Cache eines propalästinensischen Blogs:

Nachdem der Administrator den Text zuerst freigeschaltet hatte, nahm er später doch noch eine kleine Änderung vor:

Ich habe dort mal angefragt, wie es denn nun mit den Schlagstöcken aussieht, bezweifle jedoch, dass sie meinen Kommentar freischalten werden.
Zwei mal fünf Thesen zur Situation in Gaza
- Auch eine „demokratisch gewählte Regierung“, die anordnet, den Nachbarstaat mit Raketen zu beschießen, bleibt eine Regierung, die anordnet, den Nachbarstaat mit Raketen zu beschießen. Eine „demokratische gewählte Regierung“ ist übrigens und natürlich nicht automatisch eine demokratische Regierung.
- Wer Gaza als riesiges Gefängnis bezeichnet und die rigiden Grenzkontrollen beklagt, denke bitte auch darüber nach, welche und wieviele Waffen die Hamas heute hätte (und wie der Konflikt in der Folge eskalieren würde), würden Israel und Ägypten diese rigiden Grenzkontrollen nicht durchführen.
- Warum Israel größeres Vertrauen in Gespräche mit Organisationen setzen sollte, die sein Existenzrecht bestreiten und Waffenruhen als taktisches Element begreifen, bleibt unklar.
- Dass es bei dem aktuellen Krieg nicht um palästinensische Freiheit geht, lässt sich unschwer aus dem Programm der Hamas ablesen und muss deshalb nicht weiter begründet werden. Freiheit und religiöse Herrschaft schließen einander aus.
- Mitgefühl muss allen säkularen und religiösen Palästinensern gelten, die die Hamas nicht gewählt haben und Israel als Staat zu akzeptieren bereit sind. Sie sind die tatsächlichen palästinensischen Opfer dieses Krieges, zusammen mit den Kindern, die das Pech hatten, in eine Gesellschaft hineingeboren zu werden, die von religiösen Antisemiten dominiert wird. Wer jedoch die Hamas in Kenntnis ihres Programms gewählt hat, hat damit auch die Entscheidung getroffen, ein Leben in Gefahr zu führen.
Viel besser als meine fünf Thesen sind die von Robert Kurz zu Israel und den Palästinensern (2003), bitte hier weiterlesen.