Volker Radke

…bis man ihr das anmerkt

Goodbye Ubuntu, hello Fedora

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Das Ausprobieren verschiedener Linux-Distributionen ist eine wundervoll unproduktive Tätigkeit, auch wenn etliche der Distro-Switcher standhaft behaupten, die Distribution X würde produktiveres Arbeiten ermöglichen. Ob sie die Zeit, die sie mit dem Testen von zig Linuxvarianten verbracht haben, durch produktiveres Klicken auf dem Desktop je wieder hereinholen können, ist recht zweifelhaft.

Das macht jedoch nichts. Distro-Switching ist ein Hobby – man zieht alle paar Monate in ein neues virtuelles Zuhause, bis es einem dort auch wieder langweilig wird, weil alles perfekt eingerichtet ist und nichts mehr passiert, das die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen könnte. Dann beginnt man, auf das Auftauchen eines lästigen Fehlers zu warten, der mit dem ein oder anderen Update sicher kommen wird. Dieser wird dann zum Anlass genommen, sich im Anschluss an eine oberflächliche Suche nach Workarounds hastig der nächsten Distribution zuzuwenden, in der Hoffnung, diese möge besser funktionieren, was jedoch nur noch schneller in die Langeweile führt, die die Suche nach der nächsten Distribution anstößt.

So ungefähr ist das zumindest bei mir. Meine letzte Ubuntu-Installation hat bis vor einigen Tagen makellos funktioniert, sodass es Zeit für etwas Neues wurde – enter Fedora.

Die Community-Distribution der Firma Red Hat bietet wenig, das sie für Benutzer von Ubuntu oder anderen Linuxversionen abheben würde, einiges hiervon sei kurz benannt:

  • Fedora ist technisch aktueller als andere Linux-Distributionen, u.a. weil viele Entwicklungen in der Linuxwelt von Red Hat-Angestellten vorangetrieben werden. Dadurch ist es jedoch auch tendenziell fehleranfälliger – auch wenn das aktuelle Fedora 10 ziemlich gut funktioniert – und jede Version wird nur etwa 13 Monate lang unterstützt.
  • Gleichzeitig gibt es jedoch, anders als im auch sehr aktuellen Debian Unstable oder Debian Testing, eine recht ausgefeilte Sicherheitsarchitektur.
  • Fedora ist strikt dem Open Source-Gedanken verpflichtet, was den User etwas mehr Arbeit kostet, wenn er etwa Youtube-Videos anschauen möchte. Man geht, im Gegensatz zu Ubuntu, kaum Kompromisse im Dienste der Benutzbarkeit ein.

Fünf der neun Mitglieder der Fedora-Projektleitung werden von den Mitgliedern der Community gewählt. Mark Shuttleworth, der reiche Gründer und Sponsor der Firma Canonical, kann nicht abgesetzt, Paul Frields, der derzeitige Fedora-Projektleiter, zumindest nicht wiedergewählt werden. In der Ubuntu-Community macht sich kaum jemand Gedanken darüber, dass bei ihnen der Mann mit dem dicksten Portemonnaie das Sagen hat, und was dies für Linux als Ganzes bedeuten könnte. Bill Gates ist ein Beispiel für die Probleme, die damit verbunden sind, dass Leute mit einem Milliardenbudget „wohltätige Arbeit“ leisten, die niemand gewählt hat und deren Arbeit kaum einer demokratischen Kontrolle unterliegt. Der ehemalige Mandriva- und nun Red Hat-Mitarbeiter Adam Williamson hat bereits – natürlich auch aus der Sicht des Ubuntu-Konkurrenten – angezweifelt, ob Ubuntu für das Linux-Ökosystem langfristig wirklich von Nutzen ist. Das ehemalige Fedora-Boardmitglied Jeff Spaleta hat wiederholt die Frage aufgeworfen, warum Shuttleworth’s Firma Canonical nicht den Quellcode aller von ihr entwickelten Infrastrukturprojekte, mit denen die Ubuntu-Community arbeiten muss, freigibt, obwohl Shuttleworth doch der Ansicht ist, dass Open Source das überlegene Softwaremodell ist.

Die Antworten, die Spaleta und Williamson erhielten, haben mich letztlich davon überzeugt, künftig eine andere Distribution als Ubuntu zu verwenden und zu unterstützen. Zumindest solange, bis mir wieder langweilig wird.

Geschrieben von Volker Radke

Donnerstag, Januar 29, 2009 um 5:31

Veröffentlicht in Software

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