Volker Radke

…bis man ihr das anmerkt

Reich = Produktiv

mit 2 Kommentaren

So sieht es Peter Sloterdijk in der FAZ:

>>Autoren liberaler Tendenz waren es auch, die zuerst darauf hinwiesen, dass den heutigen Bedingungen eine Tendenz zur Ausbeutungsumkehrung innewohnt: Lebten im ökonomischen Altertum die Reichen unmissverständlich und unmittelbar auf Kosten der Armen, so kann es in der ökonomischen Moderne dahin kommen, dass die Unproduktiven mittelbar auf Kosten der Produktiven leben – und dies zudem auf missverständliche Weise, nämlich so, dass sie gesagt bekommen und glauben, man tue ihnen unrecht und man schulde ihnen mehr.<<

Er sagt dies, um kurz darauf auf vornehme Art drohen zu können, dass die Schmarotzer sich bloß vorsehen sollen:

>>Tatsächlich besteht derzeit gut die Hälfte jeder Population moderner Nationen aus Beziehern von Null-Einkommen oder niederen Einkünften, die von Abgaben befreit sind und deren Subsistenz weitgehend von den Leistungen der steueraktiven Hälfte abhängt. Sollten sich Wahrnehmungen dieser Art verbreiten und radikalisieren, könnte es im Lauf des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu Desolidarisierungen großen Stils kommen. Sie wären die Folge davon, dass die nur allzu plausible liberale These von der Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven der längst viel weniger plausiblen linken These von der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital den Rang abläuft. Das zöge postdemokratische Konsequenzen nach sich, deren Ausmalung man sich zur Stunde lieber erspart.<<

Wenn die eine oder andere postdemokratische Konsequenz Sloterdijk mal kräftig in seinen wohlgenährten Hintern träte, wäre dies zwar auch keine Lösung, aber wenigstens ein Anfang.

Geschrieben von Volker Radke

Sonntag, Juni 14, 2009 um 9:14

Veröffentlicht in Politik

2 Antworten

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  1. Danke. Meine Lieblingsstelle ist ja die mit seiner Weinflasche, die vom bösen Zollbeamten weggeworfen wird: Die Freiheit ist das Opfer.

    (Täusche ich mich, oder wird die FDP wirklich gerade zur neuen Jugendbewegung hochstilisiert? — Auch in ihrer Piratenvariante, btw.)

    goncourt

    Sonntag, Juni 14, 2009 um 10:09

  2. In seiner schrägen Annahme, Liberalismus wie Anarchismus hätten im 20. Jahrhundert die „Logik des Systems“ gegen sich gehabt, scheint sich das auch bei ihm anzudeuten.

    Die Sache mit der Weinflasche ist unglaublich schön:
    „Ich werde nie vergessen, mit welcher Handbewegung ein Kontrolleur am Flughafen Amsterdam mir deutlich machte, ich müsse jetzt meine Flasche Wein in diesen Container dort werfen, sonst dürfe ich nicht mitfliegen – ein ganz fabelhafter italienischer Rotwein, ein Geschenk des Gastgebers für eine Lesung am Vorabend, völlig nitroglyzerinfrei. Ich sagte diesem Security-Affen, ich würde das auf keinen Fall tun, ich würde zu meiner Vergewaltigung nicht auch noch die Hand reichen, das müsse er schon selber machen. Darauf hat er die Flasche in die Tonne geworfen. Den dumpfen Schlag höre ich noch immer, das ist der Sound des Jahrzehnts.“

    Bei der FDP als Jugendbewegung muss ich an die Ex-Antideutschen denken, die jetzt Liberale sind. Besonders anstrengend sind bei denen die Textpassagen, in denen sie vermitteln wollten, wie toll man es als Hedonist hat. Und mir ist erst in den letzten Jahren aufgefallen, wie viele Liberale und Libertäre es gibt, die die FDP für eine sozialdemokratische Partei halten (was angesichts der Steuererhöhungen, die die FDP als Regierungspartei mitgetragen hat, auch nicht ganz absurd ist).

    In einem gewissen Sinn ist es jetzt Underground, für die Freiheit des Kapitals einzutreten, wo sogar Ackermann taktieren muss.

    volkerradke

    Sonntag, Juni 14, 2009 um 10:50


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